Es gibt verschiedene Ansätze zur Ursachenanalyse, aber sie folgen alle demselben allgemeinen Ablauf.
1. Definiert das Problem oder Ziel.
Der erste Schritt bei der RCA besteht darin, das Problem zu definieren, das gelöst werden muss, oder die Verbesserung, die vorgenommen werden soll. Ein vollständiges und detailliertes Verständnis des Problems ist entscheidend.
Nehmt euch die Zeit, das Problem oder das Verbesserungsziel vollständig zu verstehen. Sammelt relevante Daten und dokumentiert eure Analyse. Beachtet Folgendes:
- Wie sich das Problem auf die Firma insgesamt auswirkt
- Wie oft tritt das Problem auf, oder wie häufig macht sich die Ineffizienz bemerkbar?
- Wie das aktuelle Problem oder der aktuelle Prozess gemessen wird
Ein Betriebsleiter (Operations Manager) könnte z. B. feststellen, dass Produkteinführungen häufig verspätet erfolgen. Während der Manager Daten und Erkenntnisse sammelt, kann er genau angeben, wie oft Produkteinführungen hinter dem Zeitplan liegen, und so das Problem konkret beschreiben. Er wird außerdem in der Lage sein, geschäftsbezogene Themen anzusprechen. Produkteinführungen, die regelmäßig verspätet sind, beeinträchtigen das Kundenerlebnis und das Kundenvertrauen, erhöhen die Abwanderung und wirken sich negativ auf den Umsatz aus.
2. Mögliche Ursachen brainstormen.
Nachdem das Problem identifiziert wurde, listet alle möglichen Probleme oder Ereignisse auf, die dazu beigetragen haben könnten. Wenn ihr versucht, einen Prozess effizienter zu gestalten, beschreibt jeden Schritt des aktuellen Workflow detailliert. Macht euch zunächst keine Gedanken darüber, die Ursachen zu validieren – brainstormt die längstmögliche Liste, die euch einfällt.
Analysiert anschließend die tatsächlichen Auswirkungen jeder möglichen Ursache. Möglicherweise müsst ihr zusätzliche Recherchen durchführen, um scheinbare Ursachen auszuschließen. Priorisiert abschließend die Ursachen, die noch übrig bleiben. Identifiziert, welche die größte Auswirkung haben und welche weniger bedeutend sind.
Kehren wir zurück zum Operations Manager, der sich mit verzögerten Produkteinführungen beschäftigt. Man könnte mit dem Kanban-Board des Teams oder einem anderen Produktentwicklungsprozess starten und in jedem Schritt mögliche Ursachen brainstormen. Der Operations Manager könnte mögliche Ursachen auflisten wie:
- Ideen bleiben zu lange in „To do“ oder starten nicht rechtzeitig.
- Arbeit wird Team-Mitgliedern nicht schnell zugewiesen.
- Genehmigungen dauern zu lange.
- Benutzerfeedback dauert zu lange.
- Das Benutzer-Feedback geht verloren.
Mit einer vollständigen Liste möglicher Ursachen würde der Betriebsleiter dann jede einzelne analysieren. Zum Beispiel muss man möglicherweise Team-Mitglieder befragen oder digitale Kanban-Kartendaten auswerten, um festzustellen, wie lange das Team benötigt, um Benutzer-Feedback zu erhalten und wie es intern weitergegeben wird.
3. Lösungen entwickeln.
Sobald ihr die eigentliche Ursache eines Problems, wie etwa eines Systems oder Prozesses, der nicht die gewünschte Leistung erbringt, identifiziert und detailliert erfasst habt, führt ihr ein Brainstorming möglicher Lösungen durch. Mitarbeitende der zuständigen Abteilung zu befragen, ist eine hervorragende Möglichkeit, Rückmeldungen und Empfehlungen von Personen einzuholen, die in die Arbeit eingebunden sind.
Bleiben wir beim Beispiel des Betriebsleiters und nehmen an, dass Benutzer-Feedback eine wesentliche Ursache für Verzögerungen ist. Der Manager würde sich mit seinem Team zusammensetzen, um mögliche Lösungen zu besprechen. Vermutlich würden sie über die Kanäle sprechen, die sie derzeit zur Sammlung von Feedback nutzen, über die Strategien zur Feedbackgewinnung, wie das Feedback im Team geteilt wird und weitere relevante Aspekte. Mögliche Lösungen könnten die Entwicklung eines strukturierteren Prozesses zur Einholung von Feedback und das Zuweisen einer Person zur Verwaltung von Kommentaren und Ideen bei deren Eingang umfassen.
4. Lösungen implementieren.
Sobald ihr Lösungen entwickelt und validiert habt, implementiert ihr diese strategisch, damit neue Prozesse und Verbesserungen nicht übersehen werden. Möglicherweise müsst ihr das Einverständnis von Teammitgliedern, die direkt mit dem Problem zu tun haben, oder die Unterstützung der Führungsebene einholen. Wenn ihr mit einem Team arbeitet, bestimmt eine verantwortliche Person, damit die Implementierung nicht übersehen wird.
In unserem Beispiel kann der Betriebsleiter einem Team-Mitglied die Aufgabe zuweisen, mit der Entwicklung eines besseren Prozesses für die Anfrage von Feedback zu starten, und einem anderen die Überwachung der eingehenden Bewertungen übertragen. Die leitende Person muss wiederkehrende Check-ins mit diesen Team-Mitgliedern einrichten, um eine erfolgreiche Implementierung sicherzustellen.
5. Ergebnisse überwachen.
Je nach implementierter Lösung kann der Monitoring-Zeitraum Wochen oder Monate dauern. Nehmt Anpassungen vor, wenn eure Lösungsvorschläge nicht funktionieren. Wenn ihr wiederholt Anpassungen vorgenommen habt und die Lösungen nicht funktioniert haben, brainstormt und implementiert Lösungen für die anderen von euch identifizierten Hauptursachen.
Kehren wir zu unserem Beispiel zurück: Der Betriebsleiter würde den neuen Prozess zur Erfassung von Benutzer-Feedback wahrscheinlich mindestens über einige Veröffentlichungszyklen hinweg überwachen. Zunächst würde er sicherstellen, dass der neue Prozess zur Einholung von Feedback effektiv ist, indem er überprüft, ob das Team mehr Feedback erhält oder es zumindest schneller als zuvor bekommt. Dieser Operations Manager würde außerdem sicherstellen, dass das Feedback schneller als bisher an das Team weitergegeben wird. Schließlich überprüft diese Person die Timeline für Produkteinführungen, um festzustellen, ob die Verbesserungen im Kundenfeedback-Prozess die Veröffentlichungszeiten insgesamt verbessert haben.
Wenn die Leitung feststellt, dass das Feedback nicht schneller eingegangen ist oder dem Team nicht geholfen hat, die Produktveröffentlichungstermine einzuhalten, kann sie einfach zur Liste der möglichen Grundursachen aus Schritt zwei zurückkehren und Lösungen für eine andere mögliche Ursache entwickeln. Sollten schnellere Feedbackschleifen zu zeitnaheren Produkteinführungen führen, könnten sie dennoch entscheiden, eine weitere mögliche Ursache auszuwählen und den Prozess noch weiter zu verbessern.