Ohne präzise Erkenntnisse zur Design-Performance aus Reporting-Plattformen riskieren Teams, direkt von Leistungsdaten zur kreativen Umsetzung überzugehen – ohne das eigentliche Problem zu verstehen. Teams haben Dashboards voller Signale, aber keinen reproduzierbaren Weg, diese in Design-Entscheidungen zu überführen, auf die ein KI-Tool aufbauen kann.
Ein einfaches Framework kann diese Lücke schließen: Signal, Friction, Design Move, Prompt und Validation. Jeder Schritt verwandelt das Ergebnis des vorherigen Schritts in die Eingabe des nächsten – sodass aus einer Absprungrate letztlich eine konkrete, testbare Design-Änderung wird.
Signal
Ein Signal ist eine Metrik oder ein Verhaltensmuster, das darauf hindeutet, dass ein Erlebnis nicht wie beabsichtigt funktioniert. Es hilft dabei zu erkennen, wo Nutzende auf Hindernisse stoßen, das Interesse verlieren oder eine Journey abbrechen.
Typische Website-Signale sind:
- Hohe Absprungrate
- Niedrige Interaktionsrate
- Geringe Scroll-Tiefe
- Niedrige CTA-Clickthrough-Rate
- Niedrige Conversion-Rate
- Hohe Formular-Abbruchquote
- Hoher Checkout-Abbruch
- Rage-Klicks oder Dead-Klicks
- Schlechte Core Web Vitals-Werte
- Geringe mobile Interaktion
Beispiel: Analytics zeigen, dass eine Landingpage eine hohe Absprungrate und eine niedrige CTA-Clickthrough-Rate aufweist – speziell bei Nutzenden aus bezahlten Suchanzeigen.
KI kann in dieser Phase unterstützen, indem sie mehrere Datenquellen gleichzeitig analysiert – Analytics, Heatmaps und UX-Session-Recordings – und aufzeigt, welche Signale gemeinsam auftreten oder bei einem bestimmten Segment ansteigen. So verbringen Teams weniger Zeit mit der Suche nach dem Problem und mehr Zeit mit dessen Interpretation.
Reibung
Reibung ist der wahrscheinliche Grund, warum Nutzende verwirrt werden, sich ablenken lassen oder nicht zur Handlung motiviert sind. An diesem Punkt wird menschliche Interpretation unverzichtbar. Teams müssen Analytics mit qualitativen Erkenntnissen verbinden, um fundierte Hypothesen darüber zu entwickeln, wo Nutzende feststecken.
Nutzende verlassen eine Website häufig aus folgenden Gründen:
- Das Angebot wurde nicht schnell genug erfasst.
- Der nächste Schritt in der Journey war nicht klar erkennbar.
- Vertrauen in die Seite oder das dahinterstehende Unternehmen fehlte.
- Zu viele Inhalte oder Auswahlmöglichkeiten wirkten überwältigend.
- Konkurrierende visuelle Elemente lenkten ab.
- Das Formular war zu umständlich auszufüllen.
- Das Laden der Inhalte dauerte zu lange.
Beispiel: Session-Recordings zeigen, wie Besucher auf der Seite landen, den Hero-Bereich überfliegen und die Seite verlassen, ohne zu scrollen. Ein unklares Angebot auf den ersten Blick oder ein CTA, der visuell mit ergänzendem Content konkurriert, könnten Ursachen dieser Reibung sein.
KI kann dabei helfen, Muster in großen Mengen von Session-Recordings oder eingegangenen Rückmeldungen zusammenzufassen. Diese Art von qualitativem Testing ist im großen Maßstab normalerweise zeitaufwendig – doch mit KI bleibt mehr Zeit für die Entwicklung einer Hypothese zur Reibung.
Design-Maßnahme
Eine Design-Maßnahme ist eine gezielte Aktion, die darauf abzielt, Reibung zu reduzieren und das Nutzungserlebnis zu verbessern. Sie überführt Erkenntnisse in klare Gestaltungsrichtlinien und gibt generativen KI-Tools ein konkretes Problem an die Hand – statt einfach nur nach einem neuen Design zu fragen.
Mit diesen Maßnahmen könnt ihr Reibung in eine Design-Entscheidung überführen:
- Den Hero-Bereich vereinfachen.
- Die visuelle Hierarchie verbessern.
- CTA-Kontrast und -Sichtbarkeit erhöhen.
- Die Content-Dichte reduzieren.
- Vertrauenssignale an Entscheidungspunkten hinzufügen.
- Zusammengehörige Formularfelder gruppieren.
- Klarere Beschriftungen und Hilfetexte verwenden.
- Umfangreiche Medieninhalte im sichtbaren Bereich reduzieren.
- Abstände und Touch-Targets für Mobilgeräte verbessern.
Beispiel: Ausgehend von den identifizierten Reibungspunkten könnte der Design-Schritt darin bestehen, den Hero-Bereich zu vereinfachen, die Überschrift klarer zu formulieren und den CTA-Kontrast zu erhöhen, damit er nicht mit ergänzendem Content konkurriert.
Hier verlagert sich der KI-Einsatz von der Analyse zur Kreation. KI kann Konzepte, verschiedene Layout-Variationen und kreative Richtungen auf Basis des Design-Schritts generieren. Teams erhalten so vielfältige Optionen zum Vergleichen, Bewerten und Verfeinern.
Prompt
Ein gut formulierter Prompt überträgt den Design-Schritt in klare Anweisungen. Erstellt Prompts, die Kontext, Absicht und Rahmenbedingungen liefern. Statt vager Vorgaben wie „Landingpage verbessern“ oder „Conversions steigern“ sollte jeder Prompt als präzise kreative Anleitung verstanden werden.
Wirkungsvolle Prompts enthalten in der Regel:
- Zielgruppentyp
- Seitentyp
- Beobachtete Signale
- Reibungshypothese
- Design-Ziele
- Anforderungen zu Barrierefreiheit oder Marke
- Gewünschte Ergebnisse
Prompt-Beispiel: Agiere als erfahrene UX-Designerin bzw. erfahrener UX-Designer. Gestalte den Hero-Bereich der Landingpage für eine B2B-Zielgruppe neu. Die aktuelle Seite weist eine hohe Absprungrate und niedrige CTA-Clickthrough-Raten aus dem Paid-Search-Traffic auf. Nutzende erfassen das Angebot nicht schnell genug, und der CTA konkurriert visuell mit sekundären Inhalten. Erstelle ein übersichtlicheres Layout im sichtbaren Bereich mit einer klareren Überschrift, einem einzigen dominanten CTA, stärkerem visuellem Kontrast, weniger Text und Vertrauenssignalen in der Nähe des CTA.
Jede Zeile des Prompts lässt sich einem Schritt im Framework zuordnen. Zielgruppen- und Seitentyp stammen aus dem Kontext, Signal und Reibungshypothese kommen direkt aus den jeweiligen Abschnitten, und die Design-Ziele entsprechen dem Design-Schritt – neu formuliert als Anweisungen.
Validierung und Testing
Ein überarbeitetes Design liefert eine testfähige Version. Jede Design-Variation sollte anhand des ursprünglichen Signals und des Geschäftsziels validiert werden, um den Kreislauf zu schließen. Tests zeigen, ob das vorgeschlagene Design tatsächlich Reibungspunkte abbaut – oder lediglich anders aussieht.
Je nach ursprünglichem Problem können Erfolgsindikatoren sein:
- Niedrigere Absprungrate
- Höhere Interaktionsrate
- Mehr CTA-Klicks
- Größere Scrolltiefe
- Mehr Formularaufrufe und -abschlüsse
- Verbesserte Conversion-Rate
- Weniger Rage-Klicks
- Höhere Aufgabenabschlussrate auf Mobilgeräten
Beispiel: Wird der überarbeitete Hero gegen das Original getestet und springen Paid-Search-Besuchende seltener ab, während die CTA-Klickrate steigt, ist die Reibungshypothese bestätigt – Angebot und CTA sind klarer. Verbessern sich diese Metriken nicht, ist das ein Signal, die Reibungshypothese zu überdenken und erneut anzusetzen.
Dieser iterative Prozess ist es, der datengestützte Optimierung von bloßem Raten unterscheidet. Das Ziel ist nicht, mehr Designs zu generieren, sondern bessere Hypothesen zu entwickeln, diese methodisch zu testen und herauszufinden, welche Erlebnisse Nutzenden am wirksamsten helfen.