Obwohl die individuellen Geschäftsanforderungen variieren können, gibt es einige Best Practices, die ihr befolgen solltet, um Zeit und Aufwand des Teams zu optimieren. Leistungsstarke agile Teams wenden eine Reihe von Best Practices an, um sicherzustellen, dass diese Sessions durchgehend Mehrwert schaffen und echte Ergebnisse liefern. Diese reichen von der Vorbereitung über die Definition von Arbeitselementen bis zu den Methoden, mit denen sie gesteuert werden.
Zuweisung von Verantwortlichkeiten.
Effektives Backlog Refinement geschieht nicht von allein – es beginnt lange vor dem angesetzten Meeting. Mangelnde Vorbereitung ist ein häufiger Grund für ineffiziente und unproduktive Sessions. Wenn alle Teilnehmenden Zeit in die Vorbereitung investieren, wird das Refinement-Meeting von einem passiven Informations-Download zu einer aktiven, kollaborativen Arbeitssitzung.
Dieser Wandel ermöglicht es dem Team, tiefer in Diskussionen, Problemlösungen und Entscheidungen einzutauchen, statt wertvolle Meeting-Zeit mit dem Teilen von Basisinformationen zu verschwenden. Der Fokus verlagert sich vom reinen Kennenlernen der Einträge hin zu deren aktiver Verfeinerung, was der eigentliche Zweck des Meetings ist.
- Verantwortlichkeiten des Product Owners: Der Product Owner sollte gut vorbereitet in die Session gehen. Dazu gehört die Erstellung einer klaren Agenda, die Identifizierung relevanter Backlog-Einträge, die im Mittelpunkt der Session stehen werden, und das Einholen aller erforderlichen Hintergrundinformationen, Daten oder ersten Inputs von Stakeholdern. Außerdem sollte er oder sie die übergeordnete Projektstrategie und die wichtigsten Key Performance Indicators (KPIs) sicher im Blick haben, um die Priorisierungsdiskussionen gezielt zu steuern.
- Verantwortlichkeiten der Teilnehmenden: Alle Teilnehmenden sollten die Agenda und alle geteilten Materialien im Vorfeld zur Vorbereitung durchsehen. Die Team-Mitglieder müssen drauf vorbereitet sein, den Wert und die Auswirkungen der von ihnen möglicherweise befürworteten Funktionen zu diskutieren – und dabei bereits berücksichtigt haben, wie diese Einträge mit der übergeordneten Produkt-Roadmap, den Prioritäten der Stakeholder und den definierten Kundenpersonas zusammenpassen.
Übersichtliche Strukturierung des Backlogs.
Ein monolithisches, unorganisiertes Backlog kann schnell unhandlich und zu einer Quelle der Verwirrung werden. Leistungsstarke Teams verstehen, wie wichtig es ist, das Backlog übersichtlich zu halten.
- Kategorisierung: Anstelle einer einzigen, ausufernden Liste empfiehlt es sich, das Backlog in logische Kategorien aufzuteilen. Teams könnten zum Beispiel ein Entwicklungs-Backlog (für zugesagte Arbeit), ein Produkt-Backlog (für kommende Funktionen und Verbesserungen) und ein Erkenntnis-Backlog (für neue, noch unausgereifte Ideen, Nutzer-Feedback und Forschungsergebnisse) führen. Diese Trennung erleichtert die Verwaltung und das Review unterschiedlicher Einträge und orientiert sich an den Bedürfnissen eures Unternehmens.
- Klare Benennung und Kennzeichnung: Jeder Backlog-Eintrag sollte einen klaren, prägnanten und sprechenden Namen haben. Einheitliche Labels oder Tags können die Organisation und Filterung weiter erleichtern.
- Definierter Zufluss: Legt klare Workflows fest, damit neue Anfragen, Ideen, Bug Reports oder andere Inputs sauber erfasst und im richtigen Backlog oder Bereich landen. Dies stellt sicher, dass eingehende Einträge nicht verloren gehen und systematisch überprüft und priorisiert werden können.
Die Kategorisierung von Backlogs dient als eine Form der Informationsarchitektur für den Produktentwicklungsprozess. Sie reduziert die kognitive Belastung für das Team und ermöglicht es verschiedenen Stakeholdern, sich auf die für ihre Rollen relevantesten Abschnitte zu konzentrieren.
Herunterbrechen großer Einträge.
Eine typische Herausforderung im Backlog-Management ist der Umgang mit umfangreichen, komplexen Funktionen oder Anforderungen – oft als Epics bezeichnet. Eine zentrale Best Practice beim Refinement ist es, diese Epics in kleinere, leichter handhabbare User Storys herunterzubrechen, die innerhalb eines einzigen Sprints abgeschlossen werden können.
- Vorteile kleinerer Storys: Kleinere Storys sind für das Team weniger abschreckend, leichter zu verstehen und genauer einzuschätzen. Sie ermöglichen auch eine häufigere Lieferung von inkrementellem Wert und erleichtern schnellere Feedback-Schleifen von Nutzerinnen und Nutzern und Stakeholdern.
- Techniken zum Herunterbrechen: Epics lassen sich z. B. nach Nutzerrollen, Prozessschritten, Geschäftsregeln oder technischen Ebenen aufteilen. User Story Mapping ist eine visuelle Technik, die besonders hilfreich sein kann, um die Bestandteile einer größeren User Journey zu identifizieren und sie in umsetzbare Storys herunterzubrechen.
Das Herunterbrechen von Epics ist nicht einfach nur eine Übung, um Arbeit in besser verdauliche Häppchen aufzuteilen. Es ist ein entscheidender Schritt, um Risiken zu minimieren und echten iterativen Fortschritt zu ermöglichen. Jede kleinere Story stellt dabei eine testbare Funktionserweiterung dar.
Management von Abhängigkeiten.
Nur wenige Backlog-Einträge stehen wirklich für sich allein. Das Erkennen und Managen von Abhängigkeiten zwischen User Storys oder Aufgaben ist daher ein entscheidender Aspekt beim Backlog Refining.
-
Folgen unerkannter Abhängigkeiten: Nicht identifizierte oder nicht berücksichtigte Abhängigkeiten sind eine häufige Ursache für Sprint-Unterbrechungen, Engpässe und Verzögerungen. Ein Team beginnt möglicherweise mit der Arbeit an einer Story, nur um festzustellen, dass sie durch eine andere Story blockiert wird, die nicht abgeschlossen oder noch gar nicht begonnen wurde.
-
Proaktives Identifizieren: Während des Refinements sollten Teams aktiv nach Abhängigkeiten suchen. Hilfreiche Fragen sind zum Beispiel: „Muss eine andere Aufgabe erledigt sein, bevor wir mit dieser Story beginnen können?“ oder „Wird eine andere Arbeit blockiert, wenn diese Story nicht abgeschlossen wird?“
-
Visualisierung: Abhängigkeiten können visualisiert werden (z. B. auf einer Story Map, einem physischen Board mit Fäden oder in Backlog-Management-Tools), um dem Product Owner zu helfen, die Arbeit logisch zu ordnen und den Teams, ihre Bemühungen zu koordinieren.
Vermeidung häufiger Fallstricke.
Um die Vorteile des Backlog Refinements zu maximieren, müsst ihr häufige Fallstricke erkennen und gezielt gegensteuern.
Herausforderung – Ungeplante Backlog-Sessions: Eines der häufigsten Probleme ist, dass Refinement-Sessions unregelmäßig oder ohne klaren Plan stattfinden- Das kann zu einem veralteten Backlog und ineffizienten Meetings führen.
Lösung: Führt für eure Refinement-Sessions einen festen Rhythmus ein (z. B. wöchentlich oder zweiwöchentlich) und stellt sicher, dass jede Session eine vorbereitete Agenda mit konkreten Diskussionspunkten hat.
Herausforderung – Undefinierte Ziele und unklarer Umfang von User Storys: Vage Backlog-Einträge, fehlende Zieldefinitionen oder ein schwammiger Umfang können zu Verwirrung und langen Diskussionen führen und erschweren die Schätzung des Arbeitsaufwands.
Lösung: Stellt sicher, dass jede Story einen klaren Zweck und einen nachvollziehbaren Mehrwert hat. Wendet die INVEST-Kriterien an, um die Qualität der Story zu bewerten, und arbeitet darauf hin, eine vom Team definierte „Definition of Ready“ (DoR) zu erfüllen, bevor ein Eintrag als sprint-bereit angesehen wird.
Herausforderung – Mangelnde Priorisierung oder Ignorieren von Abhängigkeiten: Ein unpriorisiertes Backlog – oder eines, bei dem Abhängigkeiten nicht identifiziert und berücksichtigt werden –, kann dazu führen, dass Teams an Einträgen mit geringerem Mehrwert arbeiten oder ständig blockiert werden.
Lösung: Verwendet eine konsistente und transparente Priorisierungsmethode. Identifiziert während des Refinements aktiv Abhängigkeiten und stellt sicher, dass der Product Owner die Arbeit entsprechend sinnvoll ordnet.